Zur Geschichte

Wie in den meisten Fällen waren es Eltern, die unermüdlich und zäh von der Basis her die Initiative ergriffen. Den Anfang machte dann in den 70er Jahren der Sonderkindergarten in Köln-Sürth (Verein "miteinander leben"), der sich auch für Kinder ohne "besonderen Förderbedarf" öffnete. Genauso normal wie Kinder immer größer werden und den Kindergarten Richtung Schule verlassen, so verließ auch die Idee des gemeinsamen Lebens und Lernens den Kindergarten und fand schließlich nach einigem Hin und Her eine Schule, die Schüler/innen aus Sürth aufnahm. 

Die Ernst-Moritz-Arndt-Schule in Köln-Rodenkirchen startete zum Schuljahr 1989/90 mit einer Integrationsklasse, in der im 2-Lehrer-Team (Grundschullehrerin und Sonderpädagogin) gemeinsam unterrichtet wurde. Heute gibt es acht Klassen mit Gemeinsamem Lernen (GL) an der EMA.

Zum Konzept

In jeweils zwei Klassen pro Jahrgang werden Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam mit anderen Kindern  unterrichtet. Dabei sollte die Klassengröße nicht mehr als 22 bis 24 Kinder betragen. Das Konzept sieht keinerlei Begrenzung in Bezug auf Art und Grad der Behinderung vor. In der Regel haben 6 Kinder pro Klasse sonderpädagogischen Förderbedarf.

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Eine Grundschullehrerin und ein/eine Sonderpädagoge/in gestalten im Team den Unterricht der gesamten Klasse. Dabei nutzen sie alle pädagogischen Möglichkeiten innerer und äußerer Differenzierung, damit alle Kinder individuell nach ihren jeweiligen Lernniveaus gefördert werden.

Besondere Bedeutung kommen kooperativem, projektorientiertem Unterricht und Lernen in 'Freier Arbeit' zu.

Soviel gemeinsamer Unterricht wie möglich

und

sowenig räumlich getrennter Unterricht wie nötig.

Die ständige Anwesenheit einer Sonderpädagogin als zweite Lehrkraft wird in allen oder fast allen Stunden erreicht. Dabei wird der sonderpädagogische Förderbedarf der jeweiligen Schüler voll beachtet. Jede Klasse mit Gemeinsamem Lernen verfügt über einen zusätzlichen Differenzierungsraum.

Zusätzlich gibt es klassenübergreifende Lerngruppen, in denen z. B. Psychomotorik angeboten werden. Von diesem Angebot profitieren auch einige Schüler anderer Klassen. Es besteht auch die Möglichkeit einer krankengymnastischen Therapie.

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Auch die Struktur und die Angebote der  IOGS (Integrative Offene Ganztagsschule) sind integrativ angelegt. Die meisten Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben einen Ganztagsplatz.

 

 Zielsetzung

Durch die Teilnahme an der gemeinsamen Erziehung und Unterrichtung soll behinderten Schülern bzw. Kindern mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf (Förderschülern) eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz und Integration und den Regelschülern das Erlangen einer höheren Sozialkompetenz ermöglicht werden.

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Formen des Zusammenlebens und Lernens sollen an möglichst vielen, gemeinsamen Lerngegenständen gefunden und erprobt werden, um so die sozialen und emotionalen Beziehungen zwischen den beiden Schülergruppen und damit die Persönlichkeitsentwicklung aller Beteiligten zu verbessern.

Dabei sollen die Förderschüler die Lernziele ihres individuellen Lernniveaus erreichen können, während die Regelschüler die Lernziele der Grundschule anstreben.

Aus den eigenen methodisch-didaktischen Formen des GL erwachsen verstärkt Anstöße für die Entwicklung der Selbständigkeit, Eigenverantwortlichkeit, Kreativität und Akzeptanz im Umgang mit individuellen Unterschieden und Merkmalen jedes einzelnen. Somit ist Leistung ohne Konkurrenzverhalten möglich.

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Seit nunmehr 25 Jahren sieht man an der EMA, wie gemeinsames Lernen gelingen kann. Mehr als 2000 Kinder haben bisher an der EMA in ihren Integrationsklassen sehr erfolgreich gemeinsam gelernt. Sie konnten erfahren, dass alle Schüler/innen im normalen Schulalltag dazugehören. Die Erfahrungen waren positiv in vielerlei Hinsicht: das soziale Miteinander, die Schulleistungen aller Kinder, die Atmosphäre von Gemeinsamkeit und Toleranz bei gleichzeitiger Beachtung der individuellen Bedürfnisse und Verschiedenheit.

Aufgrund eines Paradigmenwechsels in der Pädagogik wird der Begriff Integration mehr und mehr abgelöst durch den treffenderen Begriff "Inklusion". Menschen, die zu einer sozialen Gruppe gehören, müssen nicht mehr "integriert" werden, weil sie schon Teil des Ganzen sind. So verstehen wir an der EMA auch unsere Arbeit. Die Kinder lernen gemeinsam, je nach ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten. Schule muss sich in der Gestaltung des Unterrichts nach den Kindern richten, nicht die Kinder nach einer festgeschriebenen Unterrichtsmethodik. In diesem Sinne wissen wir uns auf dem "Weg der Inklusion".

Im Dezember 1994 hat die Gesamtschule Rodenkirchen (www.gesamtschule-rodenkirchen.de) beschlossen, einen Schulversuch in Anlehnung an die Ernst-Moritz-Arndt Schule durchzuführen und damit das gemeinsame Lernen über die Primarstufe hinaus in der Sekundarstufe ermöglicht. Seit dem Sommer 1995 findet dort zieldifferenter Gemeinsamer Unterricht statt. Seit dem Schuljahr 2009/10 wird das GL auch hier in 2-Zügigkeit angeboten.

Erfreulicherweise unterstützt die Stadt Köln zur Zeit den Ausbau des GL. Ein Inklusionsplan für Köln soll erstellt werden. Immer mehr Schulen gehen den Weg mit und nehmen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf. Wir hoffen, dass die Politik die Ressourcenfrage (ausreichende Stundenfrequenzen von Lehrern für Sonderpädagogik, räumliche und sächlich Bedingungen) nicht außen vor lässt und die Schulen damit ausstattet.

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